Der Desktop wird dreidimensional
Spezielle Benutzeroberfläche für Windows soll Umgang mit Dateien und Anwendungen intuitiver gestalten
BumTop zeigt sich jetzt schon vielseitig:
Das Design der Benutzeroberfläche eines Betriebssystems ist eine der wichtigsten und schwierigsten Aufgaben der Softwareentwickler. Wie mache ich die Möglichkeiten eines Computers einfach zugänglich, ohne den Arbeitsbereich zu sehr einzuschränken. Von der Texteingabe bis zum Multitouch-Interface reichen die Erfindungen. Eine unkonventionelle und spektakuläre Deskop-Gestaltung haben die Schaffer des BumpTops kreiert.
Vor drei Jahren zum ersten Mal in einem Video vorgestellt, steht die Software für Windows-Anwender nun zum Download bereit.
Pin-up
Ziel der Armadillo Studios war es, die Benutzeroberfläche des Computers stärker an das reale Vorbild "Schreibtisch" anzugleichen. Im Unterschied zum üblichen Windows-Arbeitsplatz bietet BumpTob neben dem Arbeitsplatz links, rechts und von der Oberkante weg zusätzliche Pinwände. Hier lassen sich Dateien wie Fotos oder Texte anheften. Notizen werden auf digitalen Post-its vermerkt.
Desktopelemente lassen sich intuitiver ordnen und verwalten, wobei sie sich an das persönliche Nutzerverhalten anpassen. Die Dateien sind frei skalierbar und können übereinander gestapelt werden. Die Stapelinhalte lassen sich wie Bücher aufblättern, verstreuen oder ordentlich im Raster anzeigen.
Sämtliche Elemente können frei herumgeschoben und angeordnet werden. Die Einbettung physikalischer Effekte erlaubt optische Spielerreien. So verschieben Icons andere Elemente, sobald man sie aneinanderstößt - größere Icons sind schwerer als kleinere und können daher nicht so leicht verschoben werden. Häufig benutzte Dateien werden automatisch größer und symbolisieren damit eine höhere Wertigkeit.
Bildlich
Fotos profitieren insbesondere von den Designänderungen. Diese müssen etwa mehr geöffnet werden, um sie anzusehen. Ein Doppelclick reicht, um an die elektronischen Bilder heranzuzoomen. Ebenfalls besonders intuitiv ist die Verknüpfung mit Webanwendungen über sogenannte Widgets gelungen. Will man Fotos auf Profile von sozialen Netzwerken wie Facebook hochladen, genügt es die Datei in das Facebook-Widget auf dem Schreibtisch zu werfen. Eine Ähnliche Funktion soll es für zahlreiche andere Web- und Desktopapplikationen wie Twitter, den Drucker und Email-Clients geben.
Navigation
Wer einen besonders vollgeräumten Desktop hat, kann Anwendungen und Dateien durch Buchstabeneingabe rasch herausfiltern.
Fängt man Elemente mit dem Lasso ein, öffnet sich automatisch ein "Tortenmenü" um den Mauszeiger herum. So soll man schnell gewünschte Befehle ausführen können, ohne Windows-typische Listenmenüs durchgehen zu müssen.
Ein Anfang
BumpTop steht erst am Anfang seines Werdegangs. Bislang handelt es sich großteils um eine oberflächliche Desktopverschönerung. Was noch fehlt, ist die Einbettung von Webbrowsern, wie es bei Fotos bereits der Fall ist. Die Entwickler wollen hierfür einen Webkit-basierten Browser (wie Safair oder Chrome) verfügbar machen, der Webseiten direkt auf dem Deskotp anzeigt, ohne in das Browserfenster wechseln zu müssen.
Ein Hoffnungsträger für die Weiterentwicklung von Widgets und Hintergründen ist die Community. Teilnehmer des Betatests haben bereits einige neue Themes zutage gefördert.
Multitouch und Hardware
Die Navigation klappt zwar auch mit dem Mauszeiger einwandfrei, Armadillo plant aber mit der Veröffentlichung von Windows 7 eine Multitouch-taugliche Fassung nachzureichen, was dem Gedanken des virtuellen Schreibtischs zuträglich sein dürfte.
Ebenfalls bereits in Aussicht gestellt wurde die Implementierung in Windows-PCs von Computerherstellern. Man sei bereits im Gespräch mit einigen Hardwareproduzenten, heißt es.
Download
BumpTop ist ab sofort als kostenloser Download verfügbar. Eine Premiumversion um 29 US-Dollar ergänzt den Funktionsumfang unter anderem um "unendlich viele Post-its" und das durchblättern durch Dateistapel. (Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 8.4.2009)
